Beckrath
Ein Dorf ohne eigene Kirche, in der Reichsherrschaft Wickrath — und der Ausgangspunkt einer Familienlinie, die über vier Generationen bis nach Pongs führt.
Wie diese Seite zu lesen ist
Jeder Balken ist ein Leben. Der Zeitstreifen zeigt, wer von der Familie wann in Beckrath gelebt hat. Beckrath hatte keine eigene Kirche — getauft und getraut wurde in Wickrathberg, zwei Kilometer entfernt.
Der Regler schneidet ein Jahr heraus. Zieht man ihn auf 1745, erscheint Heinrich Schnitzler, dessen Linie über Odenkirchen und Rheydt bis nach Pongs führt.
Über lebende Personen steht hier nichts. Wer noch lebt, erscheint auf dieser Seite überhaupt nicht.
Die ganze Ortsgeschichte Beckrath als FließtextDerselbe Text wie oben — zum Lesen ohne die interaktive Ansicht, zum Ausdrucken und Durchsuchen. Dazu alle Personen des Ortes und die Quellen.
Beckrath
Ein Dorf ohne eigene Kirche — und der Ausgangspunkt einer Familienlinie, die über vier Generationen bis nach Pongs führt
Ein Dorf der Reichsherrschaft Wickrath
Beckrath war nie ein eigenständiges Kirchspiel, sondern ein Dorf der Reichsherrschaft Wickrath — zusammen mit Wickrath selbst, Wickrathberg, Herrath, Wickrathhahn und Teilen von Buchholz, Hockstein, Mennrath und Wetschewell. Diese Herrschaft war seit dem 12. Jahrhundert im Besitz der Familie von Hochstaden-Wickrath, kam über mehrere Erbfolgen an die Grafen von Geldern und 1485 an Heinrich von Hompesch. 1502 erbte die Familie Quadt die Herrschaft; sie stellte spätestens Ende des 16. Jahrhunderts auf das reformierte Bekenntnis um und wurde 1752 in den Reichsgrafenstand erhoben.
Kirchlich gehörte Beckrath zur Pfarrei Wickrathberg, zwei Kilometer entfernt — eine der ältesten Kirchen im heutigen Mönchengladbacher Stadtgebiet, dem heiligen Nikolaus geweiht und seit dem 16. Jahrhundert reformiert. Wer in Beckrath geboren wurde, wurde dort getauft, dort getraut und in der Regel auch dort oder in Odenkirchen begraben. Mehr zu dieser Kirche und ihrer Rolle als Zufluchtsort für reformierte Familien aus der ganzen Umgebung steht auf der Seite zu Wickrathberg.
Reformiert von Anfang an, jüdische Nachbarn seit dem 17. Jahrhundert
Beckrath gehörte zu den wenigen reformierten Dörfern der Region — anders als das benachbarte katholisch gebliebene Wickrath selbst, das erst 1569 seine Kirche an die katholische Gemeinde zurückgeben musste. Kirchlich war Beckrath an Wickrathberg angebunden, wo ab 1540 die Reformation eingeführt wurde.
Zur Reichsherrschaft Wickrath gehörte seit dem 17. Jahrhundert auch eine jüdische Gemeinde mit Zentrum in Wickrathberg; ihre Gläubigen kamen unter anderem aus Wickrath, Beckrath und Herrath. 1918 lebten in Beckrath 41 jüdische Einwohner, die der Wickrathberger Synagogengemeinde angehörten. Eine eigene Familienverbindung zu dieser Gemeinde ist aus den vorliegenden Daten nicht belegt — der Hinweis ordnet Beckrath lediglich in seine nähere Geschichte ein.
Die Schnitzlers in Beckrath
Drei Personen des Baums sind mit Beckrath als Geburtsort verzeichnet: Eva Goelen sowie ihr Sohn und ihr Enkel aus der Familie Schnitzler, in die sie einheiratete. Eine Wohnort-Angabe zu Beckrath ist nicht überliefert — die Kirchenbucheinträge nennen den Geburtsort.
Gerhard Adam Schnitzler (getauft 5. Oktober 1683 in Wickrathberg, gestorben vor 1739) heiratete 1712 in Wickrathberg Eva Goelen, die um 1688 in Beckrath zur Welt kam. Ihr Sohn Johannes Schnitzler kam 1719 in Beckrath zur Welt, wurde am 15. Januar 1719 in Wickrathberg getauft und heiratete dort 1741 Adelheid Theissen aus Grambusch, Tochter von Peter Theissen und Elisabeth Blum. Dessen Sohn Heinrich Schnitzler (getauft 19. März 1745 in Wickrathberg) heiratete 1798, mit über fünfzig Jahren, in Wickrathberg die knapp dreißig Jahre jüngere Anna Katharina Iser aus Odenkirchen. Er starb 1808 und wurde am 17. April desselben Jahres in Odenkirchen begraben — bereits in der Franzosenzeit, das Zivilstandsregister der Mairie Odenkirchen wäre der Ansatzpunkt für eine amtliche Bestätigung.
Weder Eltern von Gerhard Adam Schnitzler noch das Sterbedatum von Johannes Schnitzler sind überliefert. Berufsangaben fehlen für alle drei Generationen.
Der Weg von Beckrath nach Pongs
Die Beckrath-Schnitzlers stehen am Anfang einer Linie, die sich über gut hundertfünfzig Jahre lückenlos bis nach Rheydt-Pongs verfolgen lässt.
Heinrich Schnitzlers Tochter Sibylla Katharina Schnitzler kam 1801 in Wickrathberg zur Welt und heiratete 1829 Johann Reuen aus Odenkirchen-Geistenbeck. Ihr im selben Jahr geborener Sohn Gottfried Reuen, Weber in Geistenbeck, zog später nach Rheydt und starb dort 1904 in der Forststraße 42 — Adresse, die seine Familie bereits 1911 als Eigentum im Adressbuch führte. Sein Sohn Peter Reuen wurde 1859 in Rheydt geboren und wohnte mit seiner Familie in der Forststraße 47, demselben Haus, das die Ortsgeschichte von Pongs bereits erzählt: Über vier Generationen — Peter Reuen, seine Tochter Marta, deren Tochter Helga Jacobs und deren Mann August Karl Siebel — blieb dieses Grundstück in der Familie.
Damit schließt sich ein Kreis: Eine Familie, die um 1688 in einem Dorf ohne eigene Kirche lebte und zum Taufen zwei Kilometer nach Wickrathberg ging, sitzt hundertsiebzig Jahre später fest in Pongs — auf demselben Grundstück, von dem aus die Familie bis in die Gegenwart nachweisbar ist.
Was offen bleibt
Für Beckrath selbst gibt es kein eigenständiges Kirchenbuch, keine eigene Pfarrei und damit auch keine eigenen Urkunden — alle Angaben zur Familie stammen aus den Kirchenbüchern von Wickrathberg und Odenkirchen. Wer mehr über das Dorf selbst wissen will — Höfe, Hausnummern, die 41 jüdischen Einwohner von 1918 — findet dazu beim Verein für Heimat- und Denkmalpflege Wickrathberg weiterführende Quellen; er betreut auch die Geschichte der umliegenden reformierten Dörfer Beckrath und Herrath mit.
Aus dem Archiv sind 3 Menschen mit eigener Seite hier geboren oder gestorben — nach Geburtsjahr geordnet.
- Johannes Schnitzler 1719–?
- Johann von Gehlen 1722–1797
- Heinrich Schnitzler 1745–1808
- Reichsherrschaft Wickrath — Portal Rheinische Geschichte (LVR) — Zugehörigkeit Beckraths zur Reichsherrschaft Wickrath, Erbfolge Hochstaden – Geldern – Hompesch – Quadt, Reichsgrafenstand 1752
- Beckrath — Wikipedia (englisch) — Beckrath als eines der wenigen reformierten Dörfer der Region, 41 jüdische Einwohner 1918, Zugehörigkeit zur Wickrathberger Synagogengemeinde
- Dorfgeschichte — Heimatverein Wickrathberg (Verein für Heimat- und Denkmalpflege Wickrathberg e. V.) — Reformation um 1530, jüdische Gemeinde ab 17. Jahrhundert mit Gläubigen aus Wickrath, Beckrath und Herrath, Kirchengeschichte Wickrathberg
- Eigene Berechnung aus den Ortskoordinaten des Archivs — Entfernung Beckrath–Wickrathberg 2,3 km (Luftlinie)
- Eigener Stammbaum — Personen mit Beckrath als Wohnort, Tauf- und Traudaten, Familienlinie Schnitzler–Reuen–Jacobs–Siebel bis Pongs
- Frank Heidermanns, Ahnendatenbank (heidermanns.net) — Daten zu Gerhard Adam Schnitzler, Eva Goelen, Johannes Schnitzler, Adelheid Theissen, Heinrich Schnitzler
- Aufstellungen der Westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde (WGfF), Bezirksgruppe Mönchengladbach — „Vorfahren Siebel / Jacobs" — Tauf- und Traudaten der Beckrath-Schnitzler-Linie, 19.08.2026