Unsere Spuren
Ein Familienarchiv, das mehr zeigt als Namen und Jahreszahlen: die Lebenswege hinter den Daten, die Orte, an denen sie sich abspielten, und die Zeit, in der unsere Vorfahren gelebt haben. Erfasst sind über tausend Personen, darunter 757 direkte Vorfahren über siebzehn Generationen — der älteste, Kirstgen ter Heyden, wurde um 1435 geboren.
Zwölf Minuten durch dieses Archiv
Wie wird aus einem alten Foto eine belegte Lebensgeschichte? Die Dokumentation geht diesen Weg einmal ganz durch — am Beispiel von Walter Brandt, geboren 1898 in Ostpreußen: das Fächerdiagramm, die Farben der Belegampel, die Lücken, die keine Urkunde mehr füllen kann. Und die Flucht der Familie im Januar 1945, mit einer Geschichte, die bis heute erzählt wird.


Erzählte Geschichten
Manches steht in keiner Urkunde. Es wird erzählt — am Küchentisch, bei Besuchen, von den Alten an die Jungen. Solche Geschichten sind unsicherer als ein Registereintrag und oft das Einzige, was von einem Menschen bleibt.
Hier bekommen sie ein eigenes Format: als Dokumentation, mit den Bildern aus dem Familienarchiv, den Orten, wie sie damals aussahen — und mit dem ehrlichen Hinweis darunter, was belegt ist und was nicht. Wo das Gesprochene von der Aktenlage abweicht, steht die Berichtigung im Bild.
Bisher stehen dort zwei. Die eine erzählt, wie Walter Brandt im Januar 1945 in Elbing vor ein Standgericht der eigenen Leute geriet — und wie ein Ingenieur, der gerade seine ganze Familie verloren hatte, zwei fremde Kinder aus Danzig herausbrachte.
Die andere führt dreieinhalb Jahrhunderte weiter zurück: 1578 verloren Rheydter Bauern ihr Schöffenamt, saßen im Turm ihres eigenen Schlossherrn und mussten beim Hinausgehen schwören, sich niemals zu rächen. Derselbe Mann ließ ihnen den reformierten Glauben, den man vier Kilometer weiter mit Strafe belegte.
Mein besonderer Dank gilt Manfred Schmitz
Manfred Schmitz von der Westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde, Bezirksgruppe Mönchengladbach, hat aus einer Anfrage ein Archiv gemacht. Ohne ihn wäre diese Seite halb so groß — und deutlich weniger verlässlich.
Im August 2026 habe ich bei der WGfF gefragt, ob jemand etwas zu meinem Urgroßvater Emil Potz weiß. Zurück kam keine höfliche Absage, sondern eine sechsseitige Aufstellung mit neunundfünfzig Einzelnachweisen. Und danach kam noch viel mehr: die Potz, die Steins, die Kellers, die Weyers, die Jacobs, die Wallraff — Linien, an denen ich mir zuvor monatelang die Zähne ausgebissen hatte.
Seit fünfundzwanzig Jahren nimmt er im Schnitt fünfzehnhundert Personen im Jahr auf. Er hat mir Kirchenbucheinträge herausgesucht, Lesarten geprüft, mich korrigiert, wo ich falsch lag — und jedes Mal dazugesagt, wie sicher eine Angabe ist und woher sie stammt.
Genau darin liegt der Unterschied zwischen Daten und Forschung. Von ihm habe ich gelernt, eine Angabe ohne Quelle als das zu behandeln, was sie ist: eine Vermutung. Wo auf diesen Seiten „teilweise belegt“ steht, steckt oft seine Arbeit dahinter — und der ehrliche Hinweis, dass die Urkunde selbst noch aussteht.
Nebenbei hat sich herausgestellt, dass wir verwandt sind, gleich mehrfach. Am nächsten über Matthias Kaulen, gestorben 1785 in Odenkirchen: Seine Töchter Eva und Catharina stehen am Anfang zweier Linien, die sich zweihundertvierzig Jahre später wieder treffen.
Herzlichen Dank, Manfred.
Olaf Brandt

Vermisst in der Winterschlacht in Masuren
In den digitalisierten Verlustlisten des Ersten Weltkriegs taucht ein Hermann Brandt aus Danzig auf: am 29. März 1915 als vermisst gemeldet, ein Jahr später als kriegsgefangen bestätigt. Sein Regiment gehörte zu der Division, die 1914/15 einzig eine Aufgabe hatte — die Verteidigung Ostpreußens gegen die russische Armee, genau seiner Heimatprovinz.
Ob dieser Hermann Brandt wirklich unser Hermann Brandt d.Ä. ist, lässt sich ohne Geburtsdatum nicht beweisen — aber Heimatort, Alter und Einsatzgebiet passen auffällig gut zusammen.
Ein Stammbaum, der sich selbst begegnet
Zwei Frauen namens Otten, zwei Generationen auseinander, dieselbe kleine Gemeinde: Odilia Otten, gestorben nach 1692 in Rheydt-Heyden, und Sophia Otten, 1738 in Rheydt als Mutter einer Täuflingstochter eingetragen. Über die eine läuft die Bähren-Linie, über die andere die Pots-Linie — zwei Zweige, die sich erst zwölf Generationen später wieder in einer Person treffen.
Ob dieselbe Familie, ist offen. Aber die Rechnung dahinter ist eindeutig: Für die Generation um 1525 stehen rechnerisch 16.384 Vorfahren — so viele Reformierte lebten im ganzen Kirchspiel nicht annähernd. Eine Gemeinde, der man über hundert Jahre den Gottesdienst am eigenen Ort verbot und die zum Taufen und Heiraten stundenweit laufen musste, heiratete zwangsläufig untereinander. Die Frage ist nicht, ob sich die Linien treffen — sondern wie oft.

In den Unterlagen der Familienforschung steht viel: Geburtsdaten, Sterbedaten, Berufe, Wohnorte. Was dort nicht steht, ist das Wesentliche — wie diese Menschen gelebt haben. Was sie erlebt haben. Warum sie von einem Ort zum nächsten gezogen sind.
Diese Seite versucht, beides zusammenzubringen. Jede Person bekommt nicht nur ihre gesicherten Daten, sondern auch ihren historischen Rahmen: Was geschah in der Welt, während sie lebte? Wie sah der Ort aus, an dem sie aufwuchs? Welche Geschichten werden in der Familie bis heute über sie erzählt?
Vieles ist noch unvollständig. Das wird hier nicht versteckt, sondern offen gezeigt — jede Personenseite hat einen eigenen Bereich für ungeklärte Fragen. Wer etwas beitragen kann, ist herzlich eingeladen.
Jede Person, dasselbe Muster
Damit man sich überall sofort zurechtfindet, ist jede Personenseite gleich aufgebaut — unabhängig davon, wie viel oder wie wenig über einen Menschen bekannt ist.
Aus einem Namen in einer Urkunde wird so ein Mensch mit Beruf, Wohnort und einer Zeit, in der er gelebt hat.

Lebenszeit im Kontext
Ein Zeitstrahl stellt die Lebensspanne neben die großen Ereignisse der Welt- und Ortsgeschichte.
Klick dich durch
Über Stammbaum und Geschwister springst du von Person zu Person — statt Listen zu durchsuchen.
Orte im Leben
Geburts-, Wohn- und Sterbeorte mit historischen Bildern und Karten zur Einordnung.
Belegt oder vermutet
Jede Quelle ist gekennzeichnet — von der Urkunde bis zur mündlichen Überlieferung.

Rücksicht auf Lebende
Über noch lebende Familienmitglieder wird hier bewusst wenig gezeigt. Sie erscheinen nur mit abgekürztem Namen und ohne persönliche Details — und nur dann, wenn sie damit einverstanden sind.
Ausführliche Angaben, Fotos und Geschichten gibt es nur zu Personen, die bereits verstorben sind. Wer möchte, dass die eigene Darstellung geändert oder ganz entfernt wird, kann sich jederzeit melden.
Wer etwas weiß, möge sich melden
Ein altes Foto in der Schublade, der Name eines Ortes, eine Geschichte, die die Großeltern erzählt haben — genau solche Bruchstücke fehlen an vielen Stellen. Jeder Hinweis hilft weiter, auch ein unsicherer.