Arnold Osterhaus

Arnold Osterhausteilweise

Schiffbaubetriebsingenieur (1937–1942), Oberingenieur in der Werksleitung der Schichau-Werke (1945)

Arnold Osterhaus war Schiffbau-Ingenieur. Das Danziger Einwohnerbuch 1937/38 führt ihn als Schiffbaubetriebs-Ingenieur, wohnhaft Posadowskyweg 57; in der Familie hieß es, er habe der Werksleitung der Schichau-Werke angehört, „sogar Oberingenieur“. Die Kinder nannten ihn Onkel Arnold — wie er mit der Familie verwandt war, wusste später niemand mehr zu sagen.

Beim Untergang der „Wilhelm Gustloff“ am 30. Januar 1945 verlor er seine Frau und seine Kinder; sie waren an Bord. Er selbst überlebte den Krieg. Wenige Tage nach dieser Katastrophe bat ihn Walter Brandt um Hilfe für dessen zwei ältesten Kinder, die bei den Großeltern in Schönfeld zurückgeblieben waren. Er sagte nichts zu, versprach aber, sich zu bemühen — und riet, die Kinder schon einmal nach Danzig zu Walters Bruder zu bringen. Er hat Wort gehalten: Nach dem, was in der Familie erzählt wird, ist es Arnold Osterhaus gewesen, der die Schiffspassage besorgte.

Lebensstationen
  • 1937 bis 1942WirkungsortDanzig
  • 1937 bis 1942WohnortDanzig, Posadowskyweg 57
Überlieferte Geschichte

Der Mann, der schon alles verloren hatte 1945

Am 30. Januar 1945 ging die „Wilhelm Gustloff“ vor Pommern unter — die schwerste Schiffskatastrophe der Geschichte, über 9.000 Tote. Unter ihnen waren die Frau und die Kinder von Arnold Osterhaus. Er selbst überlebte den Krieg.

Wenige Tage später kam Walter Brandt zu ihm. Zwei von dessen Kindern waren wegen der Bombenangriffe zu den Großeltern nach Schönfeld bei Danzig geschickt worden und darum nicht mit dem Rest der Familie an Bord gegangen; die Großeltern wollten nicht fliehen. Ob er helfen könne, sie herauszubekommen?

Seine Antwort ist der Familie wörtlich in Erinnerung geblieben — kein Versprechen, aber auch keine Absage: Er könne nichts zusagen, wolle sich aber bemühen. Und Walter solle die Kinder schon einmal nach Danzig zu seinem Bruder bringen. Das war Hermann Brandt, Oberwachtmeister an der Danziger Strafanstalt an der Schießstange; er wohnte mit seiner Frau Jenny am Schützengang 6. Beide Männer stehen im selben Danziger Einwohnerbuch, jeder mit seiner Anschrift. Dort wohnten die beiden Kinder rund zwei Wochen. Dann brachte ihr Vater sie über den Werkshafen auf einen Frachter. Er hatte nichts zusagen wollen — besorgt hat er die Passage dann doch.

Ein Mann, dessen eigene Familie auf einem Schiff gestorben war, half dabei, zwei Kinder auf ein Schiff zu bekommen. Hermann Brandt, bei dem sie in der Zwischenzeit schliefen, kam wenige Monate später in Danzig ums Leben.Mündliche Überlieferung eines Sohnes von Walter Brandt, 2026 · der Name Osterhaus ist zweifach bezeugt: durch den Erzähler und durch die Danziger Einwohnerbücher 1937/38 und 1942

Film zu dieser Zeit

Am Galgen vorbei — Dokumentation · 25 Minuten 50

Wie Walter Brandt im Januar 1945 in Elbing vor ein Standgericht der eigenen Leute geriet — und wie zwei Kinder aus Danzig herauskamen.

Quellen
  • Familienueberlieferung der vaeterlichen Linie — verstorben; ueberlebte den Krieg, weiteres Schicksal unbekannt; Muendliche Ueberlieferung 2026: 'Das war einer aus der Werksleitung, sogar Oberingenieur'; Muendliche Ueberlieferung 2026: von den Kindern 'Onkel Arnold' genannt; Verwandtschaftsgrad unbekannt (Überlieferung)
  • Danziger Einwohnerbuch (Adressbuch) mit Vororten und Zoppot — Danziger Einwohnerbuch 1937/38, Namensteil: 'Osterhaus Arnold Schiffbaubetr Ing, Posadowskyweg 57'; gleichlautend im Strassenteil unter Posadowskyweg 57; Danziger Einwohnerbuch 1937/38 (Namens- und Strassenteil) und 1942 – beide Jahrgaenge nennen dieselbe Anschrift (Sekundärquelle)
Offene Fragen
  • Sterbejahr noch nicht ermittelt
  • Wie war Arnold Osterhaus mit der Familie Brandt verwandt? Diese Frage ist vermutlich nicht mehr zu beantworten. Der letzte Zeitzeuge, der ihn als Kind erlebt hat, wurde 2026 ausdrücklich danach gefragt und wusste es nicht. Für eine Brüderschaft mit Walter Brandt spricht nichts: Beide Danziger Adressbücher und der Zeitzeuge selbst nennen ihn schlicht Osterhaus, und ein Sohn von Friedrich Brandt hätte Brandt geheißen. Die Form „Brandt-Osterhaus“ stammt allein aus der älteren Überlieferung.
  • Wie hießen seine Frau und seine Kinder, die 1945 mit der „Wilhelm Gustloff“ untergingen? Ohne Vornamen ist eine Suche beim DRK-Suchdienst und im Gustloff-Archiv kaum möglich. Der Index der Pommerschen Genealogischen Gesellschaft wurde am 29.08.2026 vollständig nach Osterhaus durchsucht — ohne Treffer, allerdings ohne Aussagekraft: Die Danziger Standesamtsbestände sind dort nur bis 1908 erfasst, seine Heirat läge Jahrzehnte später. Offen bleiben die Heimatortskartei Danzig-Westpreußen beim DRK-Suchdienst und das Standesamt I in Berlin, das die Zweitschriften der Danziger Register führt.

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