Heinrich Potzgesichert
Heinrich Potz kam am 1. Oktober 1815 in Odenkirchen unehelich zur Welt, als Sohn der Maria Elisabeth Müllers. Erst drei Jahre später, am 16. Dezember 1818, heirateten seine Eltern — damit war er legitimiert und trug fortan den Namen des Vaters. Diese Herkunft verfolgt ihn durch alle Register: Der Geburtseintrag nennt ihn „Heinrich Müllers“, der Heiratseintrag „Heinrich Pots“, und noch heute führt ihn die Datenbank heidermanns.net unter dem Doppelnamen „Müllers [Pots]“. Am 20. März 1839 heiratete er in Rheydt Johanna Amalia Schott, die aus Köln stammte. Die Familie lebte in Rheydt-Bonnenbroich, wo mindestens sechs Kinder geboren wurden, darunter Friedrich, Hermann, Julius, Maria und Emil — der jüngste, Carl, starb 1859 als Säugling. Sein Beruf wandelt sich mit den Jahren: 1875 wird er schlicht als in Bonnenbroich wohnend geführt, 1879 als „Ackerer“, in seiner Sterbeurkunde 1887 als „Handelsweber“. Bei der Hochzeit seines Sohnes Emil im April 1875 war er persönlich anwesend, erklärte seine Einwilligung und unterschrieb eigenhändig — seine Frau war da bereits tot. Er starb am 6. Januar 1887 mit 71 Jahren in Rheydt, Hauptstraße 47.
Eltern Heinrich Potz (1792–1858) · Maria Elisabeth Muellers (1788–1838)
Heirat Johanna Amalia Schott (1813–1869) — 20. März 1839, Rheydt
Kinder Carl Pots (1858–1859) · Emil Potz (1849–1917) · Friedrich Potz (1843–1899) · Heinrich Potz (1851–?) · Henriette Pots (1847–1872) · Hermann Potz (1845–1923) · Julius Pots (1854–1869) · Laura Maria Pots (1853–1886) · Rosalie Pots (1840–?) · Valentin Pots (1842–1919)
Geschwister Gertraud Potz (1821–?) · Johann Peter Adam Pots (1827–1894) · Maria Catharina Pots (1819–?) · Peter Adam Pots (1824–?) · Rosetta Potz (1829–?)
- 1887WohnortRheydt-Bonnenbroich, Haus Nr. 67
- 1. Oktober 1815TaufeOdenkirchen
Der Junge, der drei Jahre lang Müllers hieß 1815
Am 1. Oktober 1815 wird in Odenkirchen ein Junge geboren und unter dem Namen seiner Mutter eingetragen: Heinrich Müllers, Sohn der Spinnerin Maria Elisabeth Müllers. Ein Vater steht nicht dabei. Erst am 16. Dezember 1818 heiraten seine Eltern, und mit der Ehe wird das Kind legitimiert. Von da an heißt er Potz.
Ganz gefangen hat sich der Name nie. Zweihundert Jahre später führt ihn die Ahnendatenbank Heidermanns immer noch als „Müllers [Pots]“, und im Familienbuch der Westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde steht er als „Heinrich Müllers leg. Pots“ — „leg.“ für legitimiert. Drei Jahre ohne Vaternamen, und die Register schleppen sie bis heute mit.
Diese drei Jahre sind nicht irgendwelche drei Jahre.
Odenkirchen ist bei seiner Geburt seit einundzwanzig Jahren französisch — linksrheinisch, Roerdepartement, Kanton Odenkirchen. Am 5. April 1815, ein halbes Jahr vor der Geburt, erlässt Friedrich Wilhelm III. das Besitzergreifungspatent: der Ort wird preußisch. Am 18. Juni fällt Waterloo. Am 1. Oktober kommt der Junge zur Welt. Er wechselt im Säuglingsalter das Land, ohne dass jemand umzieht.
Was nicht wechselt, ist das Recht. Das Rheinland behält den Code civil — das „Rheinische Recht“, das die Rheinländer gegen Preußen verteidigen und das hier bis 1900 gilt. Genau deshalb funktioniert die Legitimation von 1818: nach französischem Recht, unter einem preußischen König.
Dazwischen liegen die zwei schlimmsten Jahre des Jahrhunderts. Der Vulkan Tambora war im April 1815 ausgebrochen; 1816 ist das „Jahr ohne Sommer“, die Ernte fällt fast völlig aus, die Preise explodieren — es ist die letzte große Hungersnot Mitteleuropas. Der Junge ist da ein Jahr alt. Sein Vater ist Weber, seine Mutter Spinnerin, und ausgerechnet dieses Gewerbe bricht gleichzeitig zusammen: Napoleons Kontinentalsperre hatte der rheinischen Baumwolle einen Boom beschert, Rheydt zählte 1808 sechzehn Baumwollwebereien. Mit dem Ende der Sperre flutet englische Ware zurück und trifft die Betriebe schwer. Geheiratet wird im Dezember 1818 — kaum ist die Hungerzeit vorbei.
Warum die drei Jahre? Das steht in keiner Quelle. Nach dem Code civil brauchte ein Sohn unter fünfundzwanzig die Einwilligung seiner Eltern zur Heirat, und der Vater war bei der Geburt seines Sohnes dreiundzwanzig. Ob das der Grund war oder schlicht die Armut, wissen wir nicht. Die Heiratsurkunde von 1818 liegt uns noch nicht vor; sie müsste die Anerkennung des Kindes enthalten und ist im Stadtarchiv Mönchengladbach angefragt.
Und es ist kein Einzelfall. In dieser Linie bekommen drei Generationen hintereinander uneheliche erste Söhne. 1764 Cäcilia Pots — der Vater wird nie genannt, sie heiratet ihn nie. 1782 Gertrud Vits, mit einundzwanzig; ihr eigener Vater steht als Taufpate dabei, geheiratet wird erst acht Jahre später. 1815 dann Maria Elisabeth Müllers, mit Heirat drei Jahre danach. Das ist keine Sittengeschichte, sondern eine Wirtschaftsgeschichte: Geheiratet wurde, wenn man einen Haushalt ernähren konnte. Bei Webern und Tagelöhnern dauerte das.Belegt: Geburt und Legitimation nach heidermanns.net und dem Familienbuch Conrad Jacobs/Emil Potz von Manfred Schmitz (WGfF). Zeitgeschichte: Besitzergreifungspatent vom 05.04.1815 (Preussen im Rheinland); Fortgeltung des Code civil als Rheinisches Recht; Jahr ohne Sommer 1816; Rheydter Baumwollbetriebe 1808 nach der Deutschen Biographie (Wernhard Dilthey). Deutung: der Zusammenhang zwischen Hungerjahren, Ehealter und spaeter Heirat. Die Heiratsurkunde von 1818 ist am 03.09.2026 beim Stadtarchiv Moenchengladbach angefragt.
- Personenstandsregister Sterbefaelle (Zweitschriften), Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland, Bestand PA 3103 — Standesamt Rheydt, Sterbeurkunde Nr. 9/1887 (Heinrich Potz); LAV NRW PA 3103, Band 25689, Bild 0028 (Urkunde)
- Aufstellungen und Familienblaetter der Westdeutschen Gesellschaft fuer Familienkunde (WGfF), Bezirksgruppe Moenchengladbach — WGfF-Aufstellung „Vorfahren Emil Potz“, 16.08.2026; dort Taufe am 01.10.1815 in Odenkirchen (ev.) (Sekundärquelle)
- Heiratsregister der Standesaemter Rheydt und Odenkirchen — Buergermeisterei Odenkirchen, Heiraths-Urkunde Nr. 19 vom 24.04.1875 (Emil Potz x Louise Steins) (Urkunde)
- Heiratsregister der Standesaemter Rheydt und Odenkirchen — Standesamt Rheydt, Heiratsurkunde Nr. 26 vom 17.04.1879 (Emil Potz x Amalia Silkenat) (Urkunde)
- Personenstandsregister Sterbefaelle (Zweitschriften), Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland, Bestand PA 3103 — Standesamt M.Gladbach, Sterbeurkunde Nr. 354/1917 (Emil Potz) (Urkunde)
- Landesarchiv NRW, Abteilung Rheinland, Bestand PA 3103 (Personenstands-Zweitschriften), Standesamt Rheydt, Sterberegister 1887, Nr. 9, Band 25689, Bild 0028, frei digitalisiert, eingesehen im August 2026. Auswertung: Die Schlüsselurkunde der ganzen Potz-Linie. Im Wortlaut zeigt der Kettenmacher Valentin Potz aus Bonnenbroich Haus Nr. 119 an, dass „Heinrich Potz, Handelsweber, 71 Jahre alt, evangelischer Religion, wohnhaft zu Bonnenbroich im Hause Nr. 67, geboren zu Odenkirchen, verheiratet gewesen mit der zu Bonnenbroich verstorbenen Amalia Schott, Sohn der Eheleute Heinrich Potz, Weber, und Elisabeth geborene Müllers, ersterer zu Coeln, letztere zu Odenkirchen verstorben“ gestorben sei. Damit sind in einem einzigen Dokument seine Eltern, seine Frau, sein Beruf, sein Geburtsort und sein Alter belegt — und zwei weitere Generationen erschlossen. NACHTRAG (15.08.2026): Der anzeigende Kettenmacher Valentin Potz war kein entfernter Verwandter, sondern sein eigener SOHN — der FamilySearch-Index führt einen Valentin Pots als Kind des Ehepaars Heinrich Potz und Amalie Schott, neben Emil, Friedrich, Hermann, Henriette und Rosalie. Den Tod des Vaters zeigte also der Sohn an. Korrektur zu heidermanns.net: Dort steht Mönchengladbach als Sterbeort; die Mönchengladbacher Urkunden Nr. 12–28 vom 5.–10. Januar 1887 wurden geprüft, er kommt darin nicht vor — er starb in Rheydt. (Urkunde)
- Frank Heidermanns, Ahnendatenbank (heidermanns.net), Personenblatt „Heinrich Müllers [Pots]“ (ID 135043), abgerufen am 15.08.2026. Auswertung: Liefert das genaue Geburtsdatum (01.10.1815 Odenkirchen, ausdrücklich als unehelich vermerkt) und neu das Heiratsdatum 20.03.1839 in Rheydt. Als Belege sind dort zwei FamilySearch-Einträge hinterlegt (ark 1:1:JHNR-R8S für Rheydt, 1:1:JHK9-7ZS für Odenkirchen). Bemerkenswert: heidermanns führt seinen Vater nur als „N.“ — unbekannt — obwohl die Anmerkungen dort den Heiratseintrag mit den Eltern „Heinrich Pots“ und „Elisabeth Müllers“ zitieren. Unser Baum ist an dieser Stelle also besser belegt als die Datenbank. (Sekundärquelle)
Diese Seite gehört zum Familienarchiv Unsere Spuren und wird aus dem Stammbaum erzeugt. Jede Angabe steht mit ihrer Quelle da; was unsicher ist, ist als unsicher gekennzeichnet. Wer Fotos, Briefe oder Korrekturen zu Heinrich Potz hat, ist willkommen — Kontakt.