Odenkirchen-Mülfort

Ortsgeschichte

Odenkirchen-Mülfort

Dorf zwischen Odenkirchen und Rheydt an der Niers, mit Mühle. Heimat der Familie Steins: Hier wurde 1802 der Weber Johannes Steins geboren, hier kam 1848 Luisa Steins zur Welt, und hier starben beide Eltern.

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Wie diese Seite zu lesen ist

Jeder Balken ist ein Leben. Der Zeitstreifen zeigt, wer von der Familie wann in Mülfort gelebt hat. Gestrichelte Balken bedeuten, dass ein Sterbedatum fehlt und das Ende der Lebensspanne geschätzt ist — geraten ist nicht dasselbe wie belegt.

Der Regler schneidet ein Jahr heraus. Zieht man ihn auf 1850, bleiben Johannes Steins und Margaretha Katharina Gieraths stehen — Eltern, deren Tochter Luisa gerade zur Welt gekommen war.

Über lebende Personen steht hier nichts. Wer noch lebt, erscheint auf dieser Seite überhaupt nicht.

Die ganze Ortsgeschichte Odenkirchen-Mülfort als FließtextDerselbe Text wie oben — zum Lesen ohne die interaktive Ansicht, zum Ausdrucken und Durchsuchen. Dazu alle Personen des Ortes und die Quellen.
Ortsgeschichte

Odenkirchen-Mülfort

Eine Furt an der Niers, älter als Odenkirchen selbst — und drei Generationen Weber am selben Ort

Eine Furt und eine Mühle

Mülfort liegt an der Niers, an der alten Furt zwischen Odenkirchen und Rheydt. Erstmals erwähnt wird der Ort 946 als „Molinuort“ — ein mittelalterlicher Name, der genau das beschreibt: eine Mühle (molina) an einer Furt (vort). Damit ist Mülfort der älteste urkundlich fassbare Ortsteil Odenkirchens, älter als die erste Erwähnung Odenkirchens selbst (1107).

Der Vicus Mülfort — elfhundert Jahre älter als der Name

Lange bevor „Molinuort“ in einer Urkunde stand, saßen hier schon Menschen: Um 50 n. Chr. entstand an derselben Furt ein römischer Vicus — eine zivile Siedlung an der wichtigen Fernstraße von Köln nach Tongeren, dort wo sie die Niers querte. Im 2. Jahrhundert wuchs der Ort auf rund einen Kilometer Länge mit Töpferwerkstätten, einem befestigten Getreidespeicher und Weihesteinen für Jupiter — Archäologen gilt er als die erste größere Siedlung im heutigen Stadtgebiet Mönchengladbachs. 274 n. Chr. wurde er von den Franken zerstört.

Ob zwischen diesem römischen Vicus und dem mittelalterlichen Molinuort eine ununterbrochene Besiedlung bestand, ist archäologisch nicht belegt — die urkundliche Spur reißt für fast siebenhundert Jahre ab. Sicher ist nur: An derselben Stelle, derselben Furt, wurde zweimal, mit großem zeitlichem Abstand, ein Ort gegründet.

Eine Honschaft Odenkirchens — dieselbe verbotene Zeit

Verwaltet wurde Mülfort als Honschaft der Herrlichkeit Odenkirchen und gehörte damit, wie der Hauptort, über sechshundert Jahre zu Kurköln. Das bedeutet: Auch die Mülforter Familien lebten in der Zeit der „Gemeinde unter dem Kreuz“ (1627–1755), in der reformierte Gottesdienste am Ort verboten waren — ausführlich erzählt auf der Seite zu Odenkirchen. Für die hier verzeichnete Familie Steins liegt der erste Mülforter Eintrag nach 1755: Sie tauften bereits am Ort, ohne den Umweg nach Rheydt oder Wickrathberg.

Drei Generationen Weber: die Familie Steins

Adam Steins, 1764 in Odenkirchen getauft, war Weber in Mülfort. 1793 heiratete er in Odenkirchen Eva Beckers; er starb am 30. Dezember 1834 in Mülfort.

Sein Sohn Johannes Steins wurde am 15. Februar 1802 in Mülfort geboren und sechs Tage später in Odenkirchen getauft — auch er Weber. Am 12. Dezember 1829 heiratete er in Odenkirchen Margaretha Katharina Gieraths aus dem gut fünfundzwanzig Kilometer entfernten Königshoven; das Paar blieb in Mülfort wohnen. Johannes starb dort am 16. Mai 1872, Margaretha Katharina am 4. Februar 1878.

Ihre Tochter Luisa Steins kam am 25. Oktober 1848 in Mülfort zur Welt. Sie heiratete den Weber Emil Potz und starb mit dreißig Jahren, am 2. Januar 1879, im Kindbett in Bonnenbroich — fünfzehn Tage nach der Geburt ihrer Tochter Maria Luise, keine elf Monate nach dem Tod ihrer eigenen Mutter.

Vom Webstuhl zur Zeugdruckerei

Der Beruf, den Adam und Johannes Steins in Mülfort ausübten, blieb dem Ort über hundertfünfzig Jahre erhalten: Mülfort war Teil der Odenkirchener Textilindustrie, die im 19. Jahrhundert mit Dutzenden Fabriken und hunderten Webstühlen wuchs (siehe die Seite zu Odenkirchen). Noch 2002 schloss mit der Mülforter Zeugdruckerei einer der letzten traditionsreichen Textilhersteller der Stadt — hundertdreißig Jahre, nachdem der Weber Johannes Steins hier gestorben war.

Wer hier gelebt hat

Aus dem Archiv sind 15 Menschen mit eigener Seite hier geboren oder gestorben — nach Geburtsjahr geordnet.

Quellen