Amalia Silkenat (1849–1908)

Amalia Silkenatgesichert

1849–1908 · Labschieken → Mönchengladbach · Dienstmagd

Amalia Silkenat kam am 9. Juni 1849 in Labschieken zur Welt, einem Dorf im Kirchspiel Trempen, Kreis Darkehmen in Ostpreußen. Ihre Eltern, der Tagelöhner Christoph Silkenat und Henriette Schalge, lebten im benachbarten Leputschen. Wie sie von dort an den Niederrhein kam, ist nicht überliefert — rund 1.100 Kilometer weit. Als sie am 17. April 1879 in Rheydt den verwitweten Weber Emil Potz heiratete, arbeitete sie als Dienstmagd in Zoppenbroich und ihr Vater war bereits tot. Emils erste Frau war drei Monate zuvor im Kindbett gestorben und hatte zwei kleine Kinder hinterlassen. Amalia zog sie mit auf. 1882 bekam sie einen eigenen Sohn, Emil. Sie starb am 5. Juni 1908 in Mönchengladbach.

Familie

Eltern Christoph Silkenat (?–1879) · Henriette Schalge

Heirat Emil Potz (1849–1917) — 17. April 1879, Rheydt

Kinder Clara Potz (1880–1946) · Emil Potz (1882–1945) · Maria Mathilde Potz (1888–1893) · Rosalina Potz (1885–1962)

Lebensstationen
  • 1879WohnortZoppenbroich
Was die Urkunden zusätzlich sagen

Geburt 1849

Labschieken war ein Dorf im Kirchspiel Trempen, Kreis Darkehmen — der äußerste Osten Ostpreußens, nahe der preußisch-litauischen Sprachgrenze. Ihre Eltern wohnten im benachbarten Leputschen. Heute heißen die Orte Iljinskoje und Nowostrojewo und liegen in der Oblast Kaliningrad.

Heiratsurkunde Nr. 26 vom 17.04.1879, Standesamt Rheydt; Familienblatt „Emil Potz #8514“, WGfF-Bezirksgruppe Mönchengladbach, 22.08.2026

Geburt 1849

Das Geburtsjahr steht in der Heiratsurkunde ausgeschrieben: „geboren den neunten Juni des Jahres tausend acht hundert vierzig und neun“. Die WGfF-Aufstellung nennt dagegen 1850; die vergrößerte Lesung des Originals hat die Frage zugunsten von 1849 entschieden.

Heiratsurkunde Nr. 26 vom 17.04.1879, Standesamt Rheydt — Original erneut gelesen am 16.08.2026

Heirat mit 1879

Die Urkunde führt sie als „Dienstmagd Amalia Silkenat, wohnhaft zu Zoppenbroich“ — einem Weiler an der Niers bei Rheydt. Ihr Vater war zu diesem Zeitpunkt in Leputschen bereits gestorben, ihre Mutter Henriette geborene Schalge lebte weiter dort. Zwischen Leputschen und Zoppenbroich liegen rund 1.100 Kilometer; wie sie diesen Weg gemacht hat und was sie hergeführt hat, sagt keine der erhaltenen Quellen.

Heiratsurkunde Nr. 26 vom 17.04.1879, Standesamt Rheydt

Heirat mit 1879

Mit der Heirat übernahm sie die beiden Kinder aus Emil Potz’ erster Ehe. Deren Mutter Luisa Steins war am 2. Januar desselben Jahres im Kindbett gestorben, fünfzehn Tage nach der Geburt der Tochter Maria Luise. Amalia zog beide Kinder mit auf.

Sterbeurkunde Nr. 2/1879 und Heiratsurkunde Nr. 26/1879, Standesamt Rheydt

Überlieferte Geschichte

Elfhundert Kilometer für ein fremdes Kind 1879

Am 17. April 1879 heiratet in Rheydt der Weber Emil Potz zum zweiten Mal. In der Heiratsurkunde Nr. 26 steht seine Braut als „Dienstmagd Amalia Silkenat, wohnhaft zu Zoppenbroich“. Geboren war sie am 9. Juni 1849 in Labschieken, Kirchspiel Trempen, Kreis Darkehmen — Ostpreußen ganz im Osten, an der preußisch-litauischen Sprachgrenze, heute Iljinskoje im Gebiet Kaliningrad. Ihr Vater Christoph Silkenat war Tagelöhner im Nachbardorf Leputschen und zu diesem Zeitpunkt bereits tot; ihre Mutter Henriette Schalge lebte weiter dort.

Zwischen Labschieken und Zoppenbroich liegen rund 1.100 Kilometer. Wie und warum eine Tagelöhnertochter diesen Weg gemacht hat, sagt keine Quelle.

Warum sie überhaupt in dieser Urkunde steht, sagen dagegen zwei andere. Vier Monate zuvor, am 18. Dezember 1878, war in Bonnenbroich Maria Luise Potz zur Welt gekommen. Fünfzehn Tage später, am 2. Januar 1879 um halb vier Uhr morgens, starb ihre Mutter Luisa Steins an Kindsfieber — dem Wochenbettfieber. Ihr Mann zeigte den Tod noch am selben Tag an. Elf Monate vorher hatte Luisa bereits ihre eigene Mutter verloren. Zurück blieb der neunundzwanzigjährige Weber Emil Potz mit zwei kleinen Kindern: dem dreijährigen Albert und einem zwei Wochen alten Säugling.

Dreieinhalb Monate danach heiratet er Amalia Silkenat. Sie zieht die beiden fremden Kinder auf und bekommt vier eigene — Clara 1880, Emil 1882, Rosalina 1885, Maria Mathilde 1888. Am 5. Juni 1908 stirbt sie in Mönchengladbach.

Der Säugling von 1878 ist Maria Luise Potz, später Zwirnereiarbeiterin. Sie heiratet 1903 Friedrich August Siebel; ihr Sohn August Karl Siebel (1919–1993) ist Olafs Großvater.

Amalia Silkenat hat also kein einziges Gen an diese Familie weitergegeben. Sie hat nur das Kind großgezogen, ohne das es die mütterliche Linie nicht gäbe. In einem Stammbaum ist das eine Rolle, die man nicht sieht: Sie hängt an einer Linie, die nicht ihre ist.

Nebenbei klärt die Urkunde einen alten Widerspruch. Die WGfF-Aufstellung führt sie mit dem Geburtsjahr 1850. Der Standesbeamte hat es 1879 ausgeschrieben: „geboren den neunten Juni des Jahres tausend acht hundert vierzig und neun“. Es ist 1849.Standesamt Rheydt, Heiratsurkunde Nr. 26 vom 17.04.1879 · Standesamt Rheydt, Sterbeurkunde Nr. 2/1879 (Luise Potz geb. Steins) · Standesamt Rheydt, Heiratsurkunde Nr. 67 vom 18.04.1903 · WGfF-Aufstellung „Vorfahren Emil Potz“

Quellen

Zweite Ehefrau von Emil Potz. Belegt durch seine Sterbeurkunde von 1917, die ihn als 'Witwer von Amalia geborene Silkenat und von Louise geborene Steins' fuehrt – sie starb also vor ihm. Heirat und Lebensdaten sind unbekannt; die Ehe duerfte zwischen 1879 (Tod der ersten Frau) und etwa 1900 geschlossen worden sein, vermutlich in Rheydt oder Odenkirchen. Bei heidermanns.net fehlt sie.

Aus der Heiratsurkunde Rheydt Nr. 26/1879: 'die DIENSTMAGD AMALIA SILKENAT, evangelischer Religion, geboren den neunten Juni 1849 zu [Ortsname schwer lesbar, etwa 'Labschieken'], wohnhaft zu ZOPPENBROICH, Tochter des zu [Ort, etwa 'Leputschen'] verstorbenen TAGELOEHNERS GOTTLOB SILKENAT und dessen Ehefrau HENRIETTE GEBORENE SCHALGE, wohnhaft zu [demselben Ort]'. DIE ORTSNAMEN SIND BEMERKENSWERT: Sie klingen ostpreussisch beziehungsweise litauisch, und auch der Name SILKENAT ist typisch fuer das preussisch-litauische Grenzgebiet (Memelland, Kreis Heydekrug/Tilsit). Amalia waere dann als Dienstmagd von weit her ins Rheinland gekommen – im 19. Jahrhundert nicht ungewoehnlich, aber fuer diese Familie einzigartig. Die Handschrift laesst die Orte nicht sicher lesen; eine Nachpruefung am Original lohnt sich.

Kirchspiel
TREMPEN — NEUER ANSATZPUNKT (25.08.2026) Das Familienblatt 'Emil Potz' von Manfred Schmitz nennt ihren Geburtsort genauer als bisher bekannt: 'Labschieken (Trempen)'. TREMPEN war das Kirchspiel, zu dem das Dorf gehoerte – der Kreis Darkehmen ist die Verwaltungsebene darueber. Damit ist zum ersten Mal klar, in welchem Kirchenbuch nach ihrer Taufe 1849 zu suchen waere: im evangelischen Kirchenbuch Trempen, Kreis Darkehmen. Trempen heisst heute Nowostrojewo, Labschieken Ilinskoje; beide liegen in der Oblast Kaliningrad. Ostpreussische Kirchenbuecher dieser Gegend sind ueberwiegend im Evangelischen Zentralarchiv Berlin und beim Verein fuer Familienforschung in Ost- und Westpreussen erfasst, soweit sie den Krieg ueberstanden haben. Das Geburtsjahr selbst bleibt beim 09.06.1849 – so steht es ausgeschrieben in der Heiratsurkunde Rheydt Nr. 26/1879, die hier im Original vorliegt. Das Familienblatt nennt weiterhin 1850.

Offene Fragen
  • GEKLÄRT AM 16.08.2026: Zu dieser Urkunde gab es zwei Lesarten — unsere (geboren 1849, Vater Gottlob) und die der WGfF-Aufstellung (geboren 1850, Vater Christoph). Das Original wurde daraufhin noch einmal vorgenommen und vergrößert. Ergebnis: Beim Geburtsjahr hatten wir recht, es steht ausgeschrieben da („tausend acht hundert vierzig und neun“). Beim Vornamen des Vaters hatte die Aufstellung recht: Der Schriftzug hat einen i-Punkt und die Unterlängen von p und h — das ist CHRISTOPH, nicht Gottlob. Der Widerspruch ist damit geschlossen, je zur Hälfte zugunsten beider Seiten.
  • OFFEN BLEIBT IHR WEG NACH WESTEN. Warum eine ostpreußische Tagelöhnertochter um 1875 als Dienstmagd am Niederrhein landete, sagt keine Urkunde. Die Textilindustrie in Rheydt warb in jenen Jahren tatsächlich im Osten an, belegt ist das für sie aber nicht. Weiterführen würden die Kirchenbücher Trempen (Evangelisches Zentralarchiv Berlin bzw. Archion): Dort müssten ihre Taufe von 1849 und die Heirat ihrer Eltern stehen — und damit die nächste Generation dieser Linie, die bisher vollständig fehlt.

Diese Seite gehört zum Familienarchiv Unsere Spuren und wird aus dem Stammbaum erzeugt. Jede Angabe steht mit ihrer Quelle da; was unsicher ist, ist als unsicher gekennzeichnet. Wer Fotos, Briefe oder Korrekturen zu Amalia Silkenat hat, ist willkommen — Kontakt.