Bonnenbroich

Ortsgeschichte

Bonnenbroich

Das nasse Bruch am Westrand der Herrschaft Rheydt. Hier stand 1475 der höchstbesteuerte Hof des ganzen Gebiets, hier floh 1578 ein Schöffe, statt ein Todesurteil zu sprechen — und hier wurden im 19. Jahrhundert zehn Weberkinder geboren.

Zur Einordnung

Wie diese Seite zu lesen ist

Der Zeitstreifen hat zwei Inseln. Die Bonnenbroicher Einträge liegen entweder im 16./17. Jahrhundert oder im 19. — dazwischen klafft eine Lücke von rund hundertfünfzig Jahren. Das liegt an den Quellen, nicht daran, dass der Ort leer stand: Die frühen Namen stammen aus Steuerlisten und Weistümern, die späten aus Kirchen- und Standesamtsregistern, und zwischen beiden liegt eine Überlieferungslücke.

Jeder Balken ist ein Leben. Gestrichelte Balken bedeuten, dass ein Sterbedatum fehlt und das Ende geschätzt ist.

Der Ort im Namen. „Hennes zu Bonnenbroch“, „Lenz am Bonnenbroch“: In vier Generationen lässt sich hier verfolgen, wie aus einer Ortsangabe ein Familienname wird. Dieselbe Bewegung steht hinter Pungs aus Pongs und den Geneicker Mols und Driesch.

Über lebende Personen steht hier nichts. Wer noch lebt, erscheint auf dieser Seite überhaupt nicht.

Die ganze Ortsgeschichte Bonnenbroich als FließtextDerselbe Text wie oben — zum Lesen ohne die interaktive Ansicht, zum Ausdrucken und Durchsuchen. Dazu alle Personen des Ortes und die Quellen.
Ortsgeschichte

Bonnenbroich

Das nasse Bruch am Westrand der Herrschaft — wo 1475 der hoechstbesteuerte Hof Rheydts stand und 1578 ein Schoeffe lieber floh, als ein Todesurteil zu sprechen

Das Bruch, das den Namen gab

Ein Broich ist am Niederrhein eine feuchte Niederung, Land, das im Winter unter Wasser steht und im Sommer Weide hergibt. Bonnenbroich ist danach benannt, und es war nicht das einzige: Gleich nebenan lag das Elschenbroich, und beide zusammen bildeten den nassen Westrand der Herrschaft Rheydt.

Die Rheydter Chronik von 1897 zählt bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts sechs Honschaften: Bonnenbroich, Elschenbroich, Geneicken, Heiden, Wateler und Dorf. Danach rechnete man Bonnenbroich und Elschenbroich als eine Honschaft zusammen, ebenso Heiden und Wateler — so blieben vier übrig. Bonnenbroich war also einmal eine eigene Verwaltungseinheit und wurde dann mit dem Nachbarn verschmolzen; der Streit von 1702 weiter unten hängt genau daran.

Jede Honschaft hatte ihren eigenen Weidebezirk. Für die Bonnenbroicher war es das Reiderbroich. Dort trieben sie ihr Vieh hin, und darum ging es, als sie sich 1648 auch noch das Recht zuschrieben, auf dem Lürriper Broich jenseits der Grenze weiden zu dürfen.

In diesem Stammbaum stehen vierundzwanzig Ereignisse mit dem Ortsnamen Rheydt-Bonnenbroich — Geburten, Sterbefälle, Wohnorte. Sie verteilen sich auf zwei weit auseinanderliegende Schichten: eine Bauernfamilie des 16. und 17. Jahrhunderts, die nach dem Ort hieß, und eine Weberfamilie des 19. Jahrhunderts, die dort ihre Kinder bekam und begrub.

1475: Koen zahlt die höchste Steuer der ganzen Herrschaft

Die älteste Namensquelle der Herrschaft Rheydt ist das Schatz- und Dienstbuch von 1475. Es ist nichts weiter als eine Liste: Hof für Hof, wer wieviel Schatz und Dienst schuldig ist. Die Chronik druckt sie vollständig ab, und sie beginnt so:

„Item der hoff zu Sipenere gutte Geil zu Sieper 2½ gl. 5 alb. — Item der hoff zu Bonnenbroich Koen 17½ gl.“

Diese zweite Zeile ist bemerkenswert. 17½ Gulden ist mit Abstand der höchste Satz der ganzen Liste. Der nächsthöhere Eintrag liegt bei 10 Gulden, die meisten bewegen sich zwischen 2 und 6, und der Nachbar auf dem Sieperhof zahlt 2½. Wer immer dieser Koen war — der Hof zu Bonnenbroich war 1475 der am schwersten veranlagte Hof der Herrschaft, und das heißt: der größte.

Ein paar Zeilen weiter steht ein zweiter Bonnenbroicher:

„Item Joris zu Bonnenbroich van Aleit Hennen gut 6 mr. min 3 alb.“

Joris sitzt also nicht auf eigenem Land, sondern auf „Aleit Hennen gut“ — dem Gut einer Aleit aus der Familie Hennen. Siebzig Jahre später führt das Weistum von 1545 im Elsenbroich noch immer einen Jorishof, und der Landvrogh beschreibt einen Fußpfad, der „an Joris hoff“ beginnt. Der Name hielt sich an der Stelle, auch als die Person längst fort war.

Coen von Bonnenbroich — der Schöffe, der sich dem Halsgericht entzog

Am St. Andreastag, dem 30. November 1578, ließ Otto von Bylandt mehrere seiner Unterthanen verhaften, als sie nach dem Gottesdienst aus der Kirche traten: Hennes Joris, Corst Schröder, Kaspar Pungs, Thewis Watelradt und Johann Bolligs. Die Geschichte dieses Zugriffs steht auf der Ortsseite Rheydt ausführlich.

Einer fehlte. Die Chronik nennt ihn „der flüchtige Coen von Bonnenbroich“ — er wurde mit angeklagt, war aber nicht mehr da.

Der Vorwurf gegen die Gruppe lautete auf Ungehorsam und Rebellion: Sie hätten „bei den jetzigen gefährlichen Kriegszeiten, wo das mit großen Kosten befestigte Schloß Rheydt ein besonders erstrebenswerthes Ziel der überall sich zeigenden Kriegsleute sein müßte, trotz der Befehle und wiederholter Kirchenrufe, die Landwehr in guten Zustand zu setzen, die Schlagbäume geschlossen zu halten und sich zur Wacht gefaßt zu machen, nicht nur selber … ungehorsam gewesen“ sein, sondern auch ihre Mitunterthanen aufgewiegelt.

Gegen Coen kam aber noch etwas hinzu, und das ist der eigentliche Punkt. Er war Schöffe des Rheydter Gerichts. Der Gerichtsbote hatte ihn mehrfach aufgefordert, „daß er mit seinen Mitschöffen die ihnen zustehende Halsgerichtsbarkeit über verschiedene Missethäter ausüben solle“ — also über Leben und Tod zu urteilen. Er kam dem nicht nach. Stattdessen „das Gebiet der Herrschaft verlassen und hierdurch seine Schuld eingestanden“. Und schließlich habe er „einem Verbrecher, der seiner Bestrafung entgegensah, dadurch, daß er ihm Gelegenheit zum Verkauf seines Hofes verschaffte, zur Flucht verholfen“.

Das ist eine ungewöhnliche Figur für eine Ortsgeschichte: ein Mann aus der Führungsschicht des Dorfes, vereidigter Schöffe, der sich weigerte, ein Todesurteil zu sprechen, der lieber aus der Herrschaft verschwand als den Stab zu brechen — und der vorher noch dafür sorgte, daß der Angeklagte seinen Hof verkaufen und mit dem Geld fortkommen konnte.

Und er ist mit dieser Familie verschwägert. Das stand lange unbemerkt in den Unterlagen: Coen — in den Familienstudien Coen tho Bonnenbruch, Besitzer des halben Bonnenbrucher Hofs — war mit einer Baetzheinen verheiratet, vermutlich Anna. Sie war die Schwester des Jentgen Botzheinen (um 1535 – nach April 1586), und die Baetzheinen sind Olaf Brandts direkte Vorfahren in der 15. und 16. Generation.

Die beiden Schwäger saßen im selben Gericht und fielen gemeinsam: beide seit 1573 Schöffen, beide 1578 abgesetzt.

Und Coen kam nicht davon. Die Chronik lässt ihn 1578 als Flüchtigen zurück und verliert ihn aus dem Blick. Die Familienstudien wissen, wie es weiterging: In der zweiten Verhaftungswelle 1587 wurde er gefasst und bis zum 28. Oktober 1592 auf Schloss Rheydt gefangen gehalten — über fünf Jahre. Otto von Bylandt starb am 15. Februar 1591. Coen saß danach noch zwanzig Monate ein, eingesperrt von einem Mann, den es nicht mehr gab.

Ob er mit dem Koen von 1475 zusammenhängt, ist nicht belegt. Hundert Jahre liegen dazwischen. Aber es ist derselbe Rufname am selben Hof, und Hofnamen wurden am Niederrhein vererbt. Wer dem nachgehen will, findet den Ansatz in den Rheydter Gerichtsprotokollen im Stadtarchiv Mönchengladbach.

Herkunft der Angaben zur Ehe und zur Haft: WGfF-Aufstellung „Vorfahren Siebel / Jacobs“ (Manfred Schmitz, WGfF-Bezirksgruppe Mönchengladbach), dort gestützt auf Alfred Blömer. Weder Coen noch seine Frau stehen bisher im Stammbaum selbst.

Die Höfe der Honschaft

Für die Zeit um 1545 zählt die Chronik die Höfe Honschaft für Honschaft auf. Im Bezirk der Bonnenbroicher Honschaft lagen: der Seiperhof, der Bonnenbroicher Hof, der Hegger- oder Heckerhof, der Schroedershof und der Weffershof.

Im Elsenbroich nebenan: der Jorishof, der Hoerenhof, der Elsenbroicher Hof und der Walderhof.

Neun Höfe für die spätere Doppelhonschaft — das war Bonnenbroich-Elschenbroich in seinem alten Bestand. Drei dieser Namen tauchen im Weistum von 1545 gleich noch einmal auf, nämlich dort, wo es um die Holzwege geht: „An dem Bonnenbroich seind drei holtzweeg, der sall einen gaen durch Heggener hoff, der ander durch Schroders hoff, der dritte durch Weffershoff.“ Wer sein Holz durch einen fremden Hof fuhr, mußte das Tor hinter sich wieder schließen — und wer dort Holz schlug, hatte „einen baum zu vollentz“ abzugeben, damit die Brücken vor den Höfen in Stand blieben.

Der einzige fahrbare Weg nach Gladbach

Man vergißt leicht, wie eng die Verbindungen früher waren. Die Chronik hält fest: Die einzige fahrbare Straße zwischen Rheydt und Gladbach führte durch die Bonnenbroicher Stege. Die heutige Landstraße wurde erst im 19. Jahrhundert gebaut; vorher gab es dort zwar eine uralte Verbindung, aber nur einen engen, „mit Fuhrwerk kaum passirbaren Fahrweg“.

Damit lag Bonnenbroich am Nadelöhr — und das machte es zum Streitfall. Im Weistum von 1545 regelt Artikel 5 den Grenzverkehr an dieser Stelle in großer Genauigkeit: Hinter der Heckener Scheuer, zwischen dem Bonnenbroicher Hof, solle eine Weide stehen, von dort ein Weg von einer Meßrute Breite am Fluß entlang bis an den Bunter Hof führen, und „dar sall Bunter hoff die bruck machen und legen over den fluss drei schritt breit, also das das Bonnenbroicher viehe darubergaen und staen kan zo wasser und zor weiden“. Umgekehrt durfte das Gladbacher Vieh im Bonnenbroicher Broich „ohnbekrönt von allemallichs“ weiden — unbehelligt von jedermann. Zwei Herrschaften, ein Bach, gegenseitiges Weiderecht, und eine Brücke von drei Schritt Breite, für die klar geregelt war, wer sie baut.

Wie lange das trug, zeigt 1702. Der Rheydter Amtmann P. B. Ruebens ordnete an, „wegen der gegenwärtigen Kriegsconjuncturen“ in den Bonnenbroicher Stegen einen Schlagbaum aufzurichten. Wer ihn zahlen sollte, war sofort strittig. Das Gericht entschied am 7. März, alle drei beteiligten Honschaften hätten gemeinsam aufzukommen. Dagegen wandten die Geneickener ein, sie hätten zwar mit Bonnenbroich und Elsenbroich einen gemeinsamen Vorsteher, bildeten aber eine eigene Honschaft, die nur bis zur Stelle des ehemaligen Walderhofs reiche. Sie beriefen sich auf Artikel 7 des Landvrogh — und bekamen recht. Den Schlagbaum mußten Bonnenbroich und Elschenbroich allein errichten.

Ein Weistum von 1545 entscheidet einen Rechtsstreit von 1702. Genau dafür wurden solche Texte aufgeschrieben.

Hennes und Lintgen — vier Generationen, die nach dem Ort hießen

Die älteste Bonnenbroicher Familie dieses Stammbaums trägt den Ortsnamen selbst, und man kann an ihr ablesen, wie solche Namen entstanden.

Hennes zu Bonnenbroch, geboren um 1530 in Bonnenbroich, gestorben vor Juni 1592, ist als Landwirt und Hofbesitzer verzeichnet. Er heiratete um 1555 Lintgen Sieger (um 1535), und die kam aus Elsenbruch — aus der Nachbarhonschaft also, mit der Bonnenbroich in eben diesen Jahren verwaltungsmäßig zusammengelegt wurde. Die beiden Broiche heirateten einander, bevor die Verwaltung sie zusammenrechnete.

Ihr Sohn Quirin zu Bonnenbroch (um 1562) heiratete um 1595 Katharina Ludwigs. Deren Sohn Lenz am Bonnenbroch (um 1605) heiratete am 29. Juli 1635 Merken Kemmerling. Und deren Tochter Wilhelmina am Bonnenbroch heiratete um 1660 Ludwig Scheulen — mit ihr geht der Name in eine andere Familie über.

Achten Sie auf die Präposition. Der Großvater heißt zu Bonnenbroch, der Enkel am Bonnenbroch. Das ist kein Schreibfehler, sondern der normale Weg: Erst ist es eine Ortsangabe — der Hennes, der zu Bonnenbroich sitzt —, dann verfestigt sie sich zum Beinamen, dann zum Familiennamen. Dieselbe Bewegung ist in Geneicken an Mols und Driesch zu sehen und in Pongs an den Pungs.

Und eine offene Spur: Im Schatzbuch von 1475 steht der Eintrag „Joris zu Bonnenbroich van Aleit Hennen gut“. Ein Gut, das nach einer Familie Hennen heißt — und fünfundfünfzig Jahre später wird in Bonnenbroich ein Hennes geboren, der als Hofbesitzer verzeichnet ist. Das beweist nichts. Hennes ist eine Kurzform von Johannes und am Niederrhein überall zu finden. Aber es ist derselbe Name am selben Ort, und der Abstand ist zwei Generationen. Nachzugehen wäre dem im Stadtarchiv Mönchengladbach.

Herkunft der Angaben: Die vier Generationen stammen aus heidermanns.net; sie sind hier als Fremdangabe geführt und nicht an Originalen geprüft.

Die Nacht, in der es zu früh Tag wurde

Nach der Reformation war Rheydt reformiert, und die Gegenreformation versuchte zurückzuholen, was sie konnte. Die Chronik berichtet von einem katholischen Geistlichen, der „zwei Nächte hintereinander mit dem Küster durch die Pfarre heimlich rundgegangen“ sei und „in jeder Honschaft noch viele der katholischen Religion zurückgewonnen“ habe.

Dann folgt der Satz, um den es hier geht: „In Geneicken und Bonnenbroich seien sie aber gestört worden, weil es zu früh Tag geworden.“

Die beiden östlichen Honschaften kamen zuletzt dran, und die Sonne war schneller. Was für ein Bild: zwei Männer, die nachts von Hof zu Hof gehen und die Leute zurückzugewinnen versuchen, und am Morgen stehen sie in Bonnenbroich im Hellen und müssen aufhören. Die Chronik setzt trocken hinzu, der Küster sei später „böswillig erschossen“ worden.

Wie klein die katholische Minderheit hier blieb, zeigt eine Zählung aus der Franzosenzeit. Als die Rheydter Katholiken 1804 beim Bischof beantragten, ihre Succursalpfarre zu erhalten, legten sie die Seelenzahlen der Honschaften vor: Rheydt, Broich, Hövel und Eickesmühle zusammen 190; Heiden 50; Pungs 55; Morr 64; Schrievers 80; Bach 60; Bonnenbroich 55; Hühren 7; Liesenhof 9; Schloß 11; Mühle 13; Rheydter Eicken (Geneicken) und Hoster 8 — zusammen 602. Fünfundfünfzig Katholiken in Bonnenbroich, im Jahr 1804.

Die Potz am Bruch — zehn Kinder und was aus ihnen wurde

Das 19. Jahrhundert bringt eine zweite Schicht, und sie gehört fast ganz einer Familie: den Potz (auch Pots geschrieben).

Heinrich Potz, geboren am 1. Oktober 1815 in Odenkirchen, von Beruf Handelsweber, heiratete am 20. März 1839 Johanna Amalia Schott. Zwischen 1840 und 1858 kamen in Bonnenbroich zehn Kinder zur Welt: Rosalie (6. März 1840), Valentin (12. Februar 1842), Friedrich (8. Oktober 1843), Hermann (19. Februar 1845), Henriette (25. Januar 1847), Emil (14. Oktober 1849), Heinrich (13. August 1851), Laura Maria (26. Oktober 1853), Julius (25. Oktober 1854) und Carl (3. Juli 1858).

Und dann die andere Spalte. Carl starb am 13. Januar 1859, ein halbes Jahr alt. Julius starb am 16. Februar 1869 mit vierzehn. Drei Monate danach, am 14. Mai 1869, starb die Mutter Johanna Amalia Schott. Henriette folgte am 29. Mai 1872, mit fünfundzwanzig. Alle in Bonnenbroich.

Die Berufe der Söhne zeigen, was in diesen Jahrzehnten am Niederrhein geschah: Der Vater war noch Handelsweber, also selbständig am eigenen Stuhl. Valentin ist als Seidenweber und Fabrikarbeiter verzeichnet — er hat den Übergang selbst mitgemacht. Friedrich und Hermann sind nur noch Fabrikarbeiter. Emil ist Weber. Zwischen Vater und Söhnen liegt der Weg vom Hausgewerbe in die Fabrik, und er läßt sich hier an einer einzigen Familie ablesen.

Hermann Potz heiratete am 5. April 1873 Wilhelmine Bresges, die ebenfalls in Bonnenbroich geboren war (4. Dezember 1841). Am 5. Januar 1876 ist im Haus Nr. 15 eine Totgeburt verzeichnet — dasselbe Haus, in dem Hermann für dieses Jahr als wohnhaft geführt wird. Emil Potz heiratete am 24. April 1875 Luisa Steins; deren Sohn Albert starb am 9. Februar 1877 als Zweijähriger.

Dann kommen zwei Daten, die man nebeneinanderlegen muß. Am 18. Dezember 1878 wurde Emils Tochter Maria Luise geboren. Am 2. Januar 1879, fünfzehn Tage später, starb Luisa Steins. Am 17. April 1879 heiratete Emil Potz erneut — Amalia Silkenat. Dreieinhalb Monate nach dem Tod seiner Frau, mit einem Säugling im Haus. Das ist keine Kälte, das ist die Rechnung einer Zeit ohne Witwenrente und ohne Säuglingspflege außer Haus.

Der Vater Heinrich Potz wird 1887 im Haus Nr. 67 in Bonnenbroich geführt; gestorben ist er am 6. Januar 1887 in Rheydt, Hauptstraße 47.

Die beiden Jacobs-Jungen

Zwei Einträge stehen etwas abseits und sind doch die härtesten auf dieser Seite.

Wilhelm Jacobs, geboren am 18. März 1842 in Geneicken, getauft am 28. März in Rheydt, starb am 4. Februar 1845 in Bonnenbroich — nicht ganz drei Jahre alt.

Johann Jacob Jacobs, geboren am 27. Mai 1844 in Geneicken, getauft am 2. Juni in Rheydt, starb am 13. April 1846 in Bonnenbroich — mit nicht ganz zwei Jahren.

Es sind Brüder. Ihre Eltern sind Konrad Jacobs und Maria Sophia Becker, getraut am 27. April 1836 in Rheydt. Beide Jungen kamen in Geneicken zur Welt und starben in Bonnenbroich; dazwischen, zwischen Mai 1844 und Februar 1845, ist die Familie also die knappen zwei Kilometer von der einen Honschaft in die andere gezogen. Und dort verlor sie binnen vierzehn Monaten beide kleinen Söhne.

Herkunft der Angaben: aus der elfseitigen Nachkommenliste zu Johannes Jacobs, die Manfred Schmitz von der WGfF-Bezirksgruppe Mönchengladbach am 28. August 2026 geschickt hat; dort mit Urkundennummern der Standesämter belegt.

Von Bonnenbroich in diese Familie

Eine der in Bonnenbroich Geborenen führt direkt in den Kern dieses Stammbaums.

Maria Luise Potz, geboren am 18. Dezember 1878 in Bonnenbroich — das Kind, dessen Mutter fünfzehn Tage nach der Geburt starb —, arbeitete als Zwirnereiarbeiterin und wohnte 1903 in München-Gladbach an der Bonnenbroicher Straße. Am 18. April 1903 heiratete sie Friedrich August Siebel.

Aus dieser Ehe stammen Maria Luise (1904), Emilie, Walter und August Karl Siebel (11. April 1919). Maria Luise Potz starb am 23. Januar 1962 in Herrstein im Hunsrück und wurde in Rheydt begraben — nach fast sechzig Jahren und zweihundertfünfzig Kilometern zurück an den Ort, aus dem sie kam.

Damit ist Bonnenbroich kein Randort dieses Archivs, sondern eine Eingangstür: Über Maria Luise Potz kommt das Bruch in die Siebel-Linie.

Was geblieben ist

Von der Honschaft ist der Name geblieben. Bonnenbroich bildet heute mit dem Nachbarn zusammen den Mönchengladbacher Stadtteil Bonnenbroich-Geneicken — die alte Zusammenlegung des 16. Jahrhunderts, in anderer Kombination und in amtlicher Schreibweise.

Und es ist die Bonnenbroicher Straße geblieben, an der Maria Luise Potz 1903 wohnte. Sie folgt ungefähr der Linie, auf der einmal der einzige fahrbare Weg von Rheydt nach Gladbach durch die Bonnenbroicher Stege lief — der Weg, an dem 1702 der Schlagbaum stehen sollte und um den drei Honschaften vor Gericht zogen.

Das Broich selbst ist trockengelegt und überbaut. Wer wissen will, wie es aussah, muß das Weistum von 1545 lesen: die Gräben, die Holzwege durch drei Höfe, die Brücke von drei Schritt Breite, über die das Vieh ans Wasser ging.

Wer hier gelebt hat

Aus dem Archiv sind 11 Menschen mit eigener Seite hier geboren oder gestorben — nach Geburtsjahr geordnet.

Quellen
  • Ludwig Schmitz, Geschichte der Herrschaft Rheydt, Rheydt 1897 — Sechs Honschaften und ihre Zusammenlegung; Weidebezirk Reiderbroich; Hofliste um 1545; Schatz- und Dienstbuch 1475 mit „der hoff zu Bonnenbroich Koen 17½ gl.“ und „Joris zu Bonnenbroich van Aleit Hennen gut“; Anklage gegen Coen von Bonnenbroich 1578; Landvrogh 1545 Art. 5 und 6; Schlagbaumstreit 1702; naechtlicher Rundgang der Gegenreformation; katholische Seelenzahlen 1804. Digitalisat der ULB Duesseldorf, gemeinfrei.
  • Stammbaum-Datenbank dieses Archivs — Vierundzwanzig Ereignisse mit dem Ortsnamen Rheydt-Bonnenbroich: Familie zu/am Bonnenbroch 1530–1660, Familie Potz/Pots 1839–1887 mit den Hausnummern 15 und 67, Heck, Schott, Steins, Bresges.
  • Manfred Schmitz, WGfF-Bezirksgruppe Moenchengladbach — Nachkommenliste Johannes Jacobs (*1782), elf Seiten, uebersandt am 28.08.2026; darin Wilhelm Jacobs (1842–1845) und Johann Jacob Jacobs (1844–1846), beide in Geneicken geboren, beide in Bonnenbroich gestorben; belegt mit Urkundennummern.
  • heidermanns.net — Personenblaetter 58850 und 58851 zu Hennes zu Bonnenbroch und Lintgen Sieger (abgerufen 19.08.2026). Fremdangabe, nicht an Originalen geprueft.
  • Bonnenbroich-Geneicken — Wikipedia — Heutiger Zuschnitt des Moenchengladbacher Stadtteils.